Startschuss für ein neues rotarisches Europa

Es war der gelungene Startschuss zu einem noch engeren rotarischen Europa. Auf Einladung unserer Governorin Renate Dendorfer-Ditges und gemeinsam mit Urs Herzog ins Leben gerufen von Linda Gebser, Präsidentin des RC Schliesee, fand am 15. Mai die Auftaktveranstaltung der SYNERGY Rotary Friendship Alliance Europe statt. Mehr als 380 Teilnehmer aus 70 nicht nur europäischen Ländern waren online dabei, als Shekar Mehta, RI-Präsident Elect das neue Großprojekt als ein Beispiel für „Freundschaft über Grenzen hinweg“ würdigte.

Der künftige Weltpräsident vom indischen RC Kalkutta-Managa erinnerte in seiner Eröffnungsrede daran, dass die Pandemie gezeigt hat, wie flexibel Rotary sein kann. Jede Krise, sagte er, bietet auch neue Möglichkeiten. Gerade in diesen Corona-Zeiten hat sich „die Macht der Freundschaft und des rotarischen Networking“ eindrucksvoll bewiesen. Shekar Mehta: „Kein Problem ist unüberwindbar.“ In diesem Geist rief er dazu auf, im neuen rotarischen Jahr besondere Anstrengungen zu unternehmen, das Leben junger Mädchen und Frauen in der Welt zu verbessern. „Empowerment of Girls“ heißt die Initiative. Shekar Mehta erinnerte an die vielerorts massive Benachteiligung der Mädchen. Sie verlassen vorzeitig die Schule, weil sie im Haushalt helfen müssen oder weil es in der Schule keine Mädchentoilette gibt. Er lobte das WASH-Projekt, das auch in unserem Distrikt von mehreren Clubs energisch betrieben wird. Brunnen, Toiletten und andere Hygiene-Maßnahmen können so mit vergleichsweise geringen Mitteln das Los unzähliger Mädchen verbessern 

Governor Renate Dendorfer-Ditges kündigte an, das Projekt „Empowerment of Girls“ auch nach dem Ende ihrer Präsidentschaft zu ihrem zentralen rotarischen Anliegen zu machen. Als „analoge“ Gastgeberin hatte sie eingangs auch im Namen des Rotaract Clubs Oberland von der Rotary-Akademie in Augsburg aus die „digitalen“ Teilnehmer begrüßt. Sie hob die Besonderheit dieser Veranstaltung hervor und betonte, dass die Gründung kontinentaler Alliances als positive Antwort auf die Komplexität internationaler Herausforderungen, wie Umwelt, Klimawandel oder Migration, und keineswegs als regionale Abgrenzung zu verstehen sei. Renate Dendorfer-Ditges bedankte sich bei den Initiatoren Linda Gebser, die – wie DGE Rainer Lipczinsky – ebenfalls in der Akademie „analog“ dabei war, und bei PDG Urs Herzog vom RC Allschwil-Regio Basel. 

Linda Gebser nahm die Gelegenheit wahr, nicht nur die Bedeutung des „SYNERGY“-Projekts hervorzuheben, sondern dem internationalen Publikum die Schönheiten Bayerns rund um ihren Club ans Herz zu legen, was sicher gut ankam. Ihr Einsatz für die SYNERGY Alliance entstand dank ihrer philippinischen Herkunft. Sie hatte in ihrer alten Heimat bereits Kontakte und Erfahrungen mit der SYNERGY Rotary Friendship Alliance Asia sammeln können. 

Initiator Sunil Zachariah, und zugleich Begründer des SYNERGY-Projekts überhaupt, sprach voller Begeisterung ein Grußwort zur europäischen Inauguration. Er entwickelte die Perspektive eines von Kontinent zu Kontinent weltumspannenden SYNERGY-Netzwerks. Den Zwang zu rotarischen Online-Meetings in Zeiten der Pandemie nannte er seinen „Eureka“-Moment, der ihn vor einem Jahr auf die „SYNERGY“-Idee gebracht hat. Plötzlich öffneten sich neue digitale Möglichkeiten der Freundschaftspflege. Er bedankte sich ausdrücklich bei den beiden Europa-Initiatoren, die aus dem asiatischen Projekt so schnell eine Kontinente umspannende Initiative gemacht haben. Und er rief die Rotarier auf, die Macht der neuen Technologien als Instrument der weltweiten Freundschaft zu nutzen.   

Im europäischen Rahmen geht es nun vor allem darum, engere und dauerhafte Verbindungen über die nationalen Grenzen hinweg zu schaffen. Dabei geht es um Erfahrungsaustausch, um die Förderung gemeinsamer Projekte, um Kontakthilfe für die Clubs. Darüber hinaus sollen den Clubs systematische Möglichkeiten eröffnet werden, internationale Clubpartnerschaften zu finden und zu pflegen.

Vor allem aber geht es um die rotarische Kernbotschaft, um Freundschaft. Ravi Ravindran aus Sri Lanka sprach als Trustee Rotary Foundation Chair in seiner Keynote-Rede von der Macht der Freundschaft, die in Zeiten der Pandemie unverzichtbar ist. Er stellte fest, dass Covid deutlich mehr Menschenleben gekostet hat, als die offiziellen Zahlen angeben. Während in Europa und Nordamerika die Pandemie im Abklingen ist, verwies er auf die immer katastrophaleren Zustände in Indien, in seinem Heimatland Sri Lanka und in Ländern Südamerikas. Ravi Ravindran: „Die armen Länder ringen um Atem, sie ringen nach Oxygen.“ 

Als Hoffnungsschimmer in der Krise, die die Spaltung der Welt in arm und reich in der Krise besonders sichtbar gemacht hat, nannte er die Macht und Kraft der rotarischen Hilfs- und Einsatzbereitschaft. Rotary hilft nicht zaghaft, sondern im großen Stil, sagte er. Als eindrucksvollstes Beispiel nannte er das Projekt „End Polio Now“ und die neu aufgelegte Initiative, die Malaria in dem besonders betroffenen Land Zambia gegen Null zu drücken. Das sei zu schaffen, auch dank der Zusammenarbeit mit der Melinda-und Bill-Gates-Stiftung und anderer NGOs.

Als neues Programm in großem Stil kündigte er den Kampf gegen den Klimawandel an: Weltweit nur noch 40 Prozent Carbon-Ausstoß bis 2030 und die Netto-Null bis Mitte des Jahrhunderts. Ein Thema, das Rainer Lipczinsky, unser Governor des kommenden rotarischen Jahres, zu seinem Schwerpunkt-Projekt machen wird. Die Foundation, die in den letzten fünf Jahren bereits 80 Millionen Dollar für Umwelt-Projekte zur Verfügung gestellt hat, wird zum neuen rotarischen Jahr weitere Global Grants für herausragende Umweltprojekte ausschütten, berichtete Ravi Ravindran.

Sein Motto: In der Krise sollten wir nicht – wie im Film – rufen: Houston wir haben ein Problem. Stattdessen sollten wir uns fragen: Was haben wir, das noch gut funktioniert? Und das ist die rotarische Power, die immer wieder unerwartete Lösungen findet. Rotary muss eine Führungskraft zur Verbesserung der Welt sein. 

Jan Mittelstaedt, wies als Vorsitzender des Deutschen Governorrats (DGR) auf eine naheliegende Möglichkeit hin, die Macht der rotarischen Freundschaft weiter zu entwickeln: mehr Frauen. Bisher sind in Deutschland nur knapp 13 Prozent der Rotarier Frauen, aber wenn es um Einsatzbereitschaft und Führungspositionen geht, ist der Frauenanteil deutlich höher. Das nannte er einen Beleg dafür, wie wichtig der Beitrag der Frauen für die rotarische Zukunft ist. Im Übrigen empfahl er die Dienstleistungen, die der DGR allen Clubs bieten kann. Dazu gehören die Distrikt- übergreifende Koordinierung von Projekten und inzwischen eine Online-Plattform, dank der die Vortragsplanungen der Clubs und der Distrikte müheloser aufeinander abgestimmt werden können.

Urs Herzog sorgte als Mitinitiator der SYNERGY Rotary Friendship Alliance zum Abschluss dafür, dass diesem Inaugurations-Meeting bald ein zweites Treffen der neuen Alliance folgen wird. Er lud für den 26. Juni in die Schweiz zu seinem Heimatclub Allschwil-Regio Basel ein. Monatliche Treffen sollen die Friendship Alliance dann weiter lebendig erhalten. Und sie soll noch internationaler werden. Urs Herzog kündigte noch für dieses Jahr einen dritten Teilnehmer-Kontinent an: die Gründung einer SYNERGY Rotary Friendship Alliance Africa.

Mit dieser guten Nachricht ging die Inauguration zu Ende, durch die PDG Jürgen Horwarth als Master of Ceremony souverän führte. Bei ihm und den anderen Freundinnen und Freunden, die zum Gelingen dieser Veranstaltung beigetragen haben, bedankte sich Gastgeberin Renate Dendorfer-Ditges von Herzen. Ihr besonderer Dank galt nochmals den Initiatoren Linda Gebser und Urs Herzog. Mit Freude und auch mit Erleichterung beschloss sie eine rundum gelungene Veranstaltung von europäischem Rang, organisiert und moderiert vor Ort im Distrikt 1841. Lokal und international: Genau so soll Rotary sein.